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Projekt
Förderkreis Mahnmal St. Nikolai e.V.

St. Nikolai Kirche

Wer Ausstellungen konzipiert, hat es nicht nur mit den schönen Künsten zu tun, sondern auch mit grausamen und blutigen Ereignissen und Epochen, deren Aufarbeitung betroffen macht. Und gleichzeitig enorm wichtig ist.

Die Ausstellung in den Ruinen der ehemaligen Hamburger Hauptkirche St. Nikolai ist so ein Beispiel. Sie befasst sich mit der „Operation Gomorrha“, bei der britische Bomber im Juli 1943 Nachtangriffe gegen Hamburg flogen und große Teile der Stadt zerstörten. Der dadurch ausgelöste, verheerende Feuersturm kostete 34.000 Menschen das Leben.

krafthaus  Das Atelier von facts and fiction zeichnet für Konzeption, Recherche und Umsetzung der Ausstellung verantwortlich. Wir gliedern sie in vier Teile.

Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Kirche. Anhand von Dokumenten und Artefakten wird deren zentrale Entwicklung erläutert. Im zweiten Abschnitt geht es um die Vorgeschichte der Ereignisse, die Vorbereitung der Bevölkerung auf einen Bombenkrieg. Die Aufarbeitung geschieht multiperspektivisch: Die Sicht der alliierten Streitkräfte wird genauso dargestellt wie die der normalen Bevölkerung und jene der diskriminierten, verfolgten und deportierten Bürger – erzählt durch verschiedene Medien.

Im dritten und zentralen Bereich der Ausstellung stehen die Ereignisse im Juli 1943 und ihre Bedeutung für die Bevölkerung im Fokus. In fragmentarisch wirkenden Vitrinen werden die verschiedenen Phasen – vor, während und nach dem Bombardement – gezeigt. An einem Medientisch können die Besucher sich eingehender mit den Geschehnissen befassen. Beispielsweise erklären eigens produzierte Animationen die physikalischen Bedingungen des Feuersturms und zehn Zeitzeugenberichte liegen zum Anhören bereit. Auch die erschreckenden Zahlen zur „Operation Gomorrha“ werden nicht verschwiegen: 9.000 Tonnen abgeworfene Bomben; eine geschätzte Temperatur von 760° C im Feuersturm; eine bis zu 6.000 m hohe Rauchsäule über der Stadt; 1.200.000 Menschen flüchten während und nach den Angriffen aus Hamburg – und viel mehr Schreckliches.

Der vierte und letzte Bereich der Ausstellung thematisiert die oft ambivalenten Erinnerungen an die Geschehnisse. Mithilfe von Alltagsgegenständen werden persönliche Schicksale ins allgemeine Gedächtnis gerufen. Die Ausstellung endet schließlich mit der künstlerischen Verarbeitung der Ereignisse. In einer Leseecke wird zur Debatte animiert, welche denn die richtige Erinnerung an das furchtbare Geschehen ist.

St. Nikolai markiert einen weiteren Schritt auf Deutschlands langem Weg, seine faschistische Vergangenheit zu bewältigen. Es ist das erste Museum, das den zivilen deutschen Opfern der alliierten Bombenoffensiven des 2. Weltkriegs gedenkt. Lange Zeit war dieses Thema ein Tabu – angesichts der ungeheuren Gräueltaten der Deutschen während des Krieges.

Gerade deshalb ist es entscheidend, sehr sensibel mit der Thematik umzugehen und jeden falschen Zungenschlag zu vermeiden; ein führender britischer Historiker im Team hilft uns bei der Aufgabe. Die Ausstellung ist auf keinen Fall revisionistisch und nicht auf der Suche nach Kriegsverbrechern. Deutsche Angriffe auf alliierte Städte sind ebenfalls Thema und auch der Holocaust gerät nicht aus dem Blick.

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Förderkreis Mahnmal St. Nikolai e.V.

St. Nikolai Kirche

Wer Ausstellungen konzipiert, hat es nicht nur mit den schönen Künsten zu tun, sondern auch mit grausamen und blutigen Ereignissen und Epochen, deren Aufarbeitung betroffen macht. Und gleichzeitig enorm wichtig ist.

Die Ausstellung in den Ruinen der ehemaligen Hamburger Hauptkirche St. Nikolai ist so ein Beispiel. Sie befasst sich mit der „Operation Gomorrha“, bei der britische Bomber im Juli 1943 Nachtangriffe gegen Hamburg flogen und große Teile der Stadt zerstörten. Der dadurch ausgelöste, verheerende Feuersturm kostete 34.000 Menschen das Leben.

krafthaus  Das Atelier von facts and fiction zeichnet für Konzeption, Recherche und Umsetzung der Ausstellung verantwortlich. Wir gliedern sie in vier Teile.

Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Kirche. Anhand von Dokumenten und Artefakten wird deren zentrale Entwicklung erläutert. Im zweiten Abschnitt geht es um die Vorgeschichte der Ereignisse, die Vorbereitung der Bevölkerung auf einen Bombenkrieg. Die Aufarbeitung geschieht multiperspektivisch: Die Sicht der alliierten Streitkräfte wird genauso dargestellt wie die der normalen Bevölkerung und jene der diskriminierten, verfolgten und deportierten Bürger – erzählt durch verschiedene Medien.

Im dritten und zentralen Bereich der Ausstellung stehen die Ereignisse im Juli 1943 und ihre Bedeutung für die Bevölkerung im Fokus. In fragmentarisch wirkenden Vitrinen werden die verschiedenen Phasen – vor, während und nach dem Bombardement – gezeigt. An einem Medientisch können die Besucher sich eingehender mit den Geschehnissen befassen. Beispielsweise erklären eigens produzierte Animationen die physikalischen Bedingungen des Feuersturms und zehn Zeitzeugenberichte liegen zum Anhören bereit. Auch die erschreckenden Zahlen zur „Operation Gomorrha“ werden nicht verschwiegen: 9.000 Tonnen abgeworfene Bomben; eine geschätzte Temperatur von 760° C im Feuersturm; eine bis zu 6.000 m hohe Rauchsäule über der Stadt; 1.200.000 Menschen flüchten während und nach den Angriffen aus Hamburg – und viel mehr Schreckliches.

Der vierte und letzte Bereich der Ausstellung thematisiert die oft ambivalenten Erinnerungen an die Geschehnisse. Mithilfe von Alltagsgegenständen werden persönliche Schicksale ins allgemeine Gedächtnis gerufen. Die Ausstellung endet schließlich mit der künstlerischen Verarbeitung der Ereignisse. In einer Leseecke wird zur Debatte animiert, welche denn die richtige Erinnerung an das furchtbare Geschehen ist.

St. Nikolai markiert einen weiteren Schritt auf Deutschlands langem Weg, seine faschistische Vergangenheit zu bewältigen. Es ist das erste Museum, das den zivilen deutschen Opfern der alliierten Bombenoffensiven des 2. Weltkriegs gedenkt. Lange Zeit war dieses Thema ein Tabu – angesichts der ungeheuren Gräueltaten der Deutschen während des Krieges.

Gerade deshalb ist es entscheidend, sehr sensibel mit der Thematik umzugehen und jeden falschen Zungenschlag zu vermeiden; ein führender britischer Historiker im Team hilft uns bei der Aufgabe. Die Ausstellung ist auf keinen Fall revisionistisch und nicht auf der Suche nach Kriegsverbrechern. Deutsche Angriffe auf alliierte Städte sind ebenfalls Thema und auch der Holocaust gerät nicht aus dem Blick.